Kirche zwischen Raschütz und Röder
Home > Chorleiterwechsel beim Oelsnitzer Kirchenchor

Chorleiterwechsel beim Oelsnitzer Kirchenchor

Seit wann  der Oelsnitzer Kirchenchor besteht, ist wohl ohne  Recherche im Kirchgemeindearchiv so genau nicht zu erkunden. Frau Elfriede Teichert,  ehemaliges und langjähriges Chormitglied berichtet, dass der Oelnitzer Lehrer, Rudolf Petzold, seit den 1920er Jahren  den Kirchenchor leitete. Schon die Eltern von Frau Teichert sangen im Kirchenchor mit, der, damals  mit Männerstimmen gut besetzt, sich vierstimmig hören lassen konnte. Nach dem zweiten Weltkrieg betreute der Lampertswalder Kantor Martin Nitschke bis zirka  1956  den  Chor.  Er war  Kriegsflüchtling aus Schlesien und  kein ausgebildeter  Chorleiter. Als arbeitsloser Musiker  wurde er damals von Pfarrer Hilmar Müller für den Dienst an der Orgel gewonnen und später auch  für den Christenlehre-Unterricht in Lampertswalde angestellt. Anfang der 1970er Jahre betreute für kurze Zeit Hans-Werner Kühn, Kantor-Diakon in Gröditz,  den Chor.  Als ich 1976 meine erste Stelle als Kantor-Diakon in Gröditz antrat, übernahm ich  den Oelsnitzer Chor ehrenamtlich. Ich staunte damals nicht schlecht, als ich die sicheren und selbstbewussten Stimmen der zirka 15 Sängerinnen  erlebte. Selbständig organisierten sie  ihre Chordienste zu Beerdigungen, Hochzeiten und Gottesdiensten,  vielfach unter der Leitung der ehemaligen  Chorsängerin Thea Lorenz.

Ich freue mich sehr, dass der Oelsnitzer Kirchenchor in den 40  Jahren unter meiner Leitung, seine Mitgliederzahl stabil halten konnte und dass in der letzten Zeit junge Sängerinnen und ein Sänger dem Chor beigetreten sind. Neben den wichtigen Chorauftritten zu den Gottesdiensten, haben sich die jährlichen Chorkonzerte zu einem intensiven Arbeitsbereich entwickelt. Wir versuchen zweimal im Jahr eine geistliche Chormusik anzubieten, zu der wir auch öfters Gäste einladen. So haben wir zusammen mit dem Großenhainer Posaunenchor und dem Männerchor Großenhain-Reinersdorf, sowie mit dem Zabeltitzer Chor gemeinsame Konzerte gestaltet. Die Oelsnitzer nahmen an landeskirchlichen Chortreffen z. B. in Dresden und Chemnitz teil oder waren auch bei ähnlichen Veranstaltungen im Kirchenbezirk  vertreten.

Seit einigen Jahren ist es üblich, daß die Oelsnitzer Choristen einen Chorausflug planen. Zu diesen Chorausflügen gehört der Besuch eines Gottesdienstes am Zielort, wo wir uns  musikalisch mit  einbringen. So sangen wir unter anderem  in den Kirchen von Zittau, Herzberg/Elster,  Oelsnitz/Erzgeb., Jessen, Rochlitz und 2019  im Naumburger Dom.  Das war für alle ein besonderes Erlebnis, singen im großen und berühmten Dom von Ekkehardt und Uta!

Durch meine gesundheitlichen Probleme konnte ich ab Oktober 2019 den Chor nicht mehr leiten. Zum Glück war Tobias Lange aus Riesa  bereit, die Probenarbeit erst einmal vertretungsweise zu übernehmen.  Er hatte im vergangenen September seine Ausbildung als C-Kirchenmusiker an der Hochschule für Kirchenmusik in Dresden abgeschlossen. Im Rahmen  seiner Ausbildung erhielt er von mir  Orgelunterricht und ich bot  ihm gleichzeitig die Möglichkeit an,  im  Oelsnitzer  Chor Erfahrungen zu sammeln beim Mitsingen und Einstudieren von Chorsätzen. Es ergab sich, dass er dann auch die Organisation und Leitung des  Weihnachtskonzertes am 29.12. 2019 übernehmen musste. Diese Aufgaben absolvierte er sehr engagiert. Das Konzert war ein schöner Erfolg für ihn und den Chor.  Die Chormitglieder und  Besucher  sparten nicht mit Beifall.

Da ich nach meinem Ruhestand schon immer Ausschau nach einem

zusammen mit dem Großenhainer Posaunenchor und dem Männerchor Großenhain-Nachfolger oder einer Nachfolgerin  für den Oelsnitzer Chor hielt, kam mir der junge Diplomingenieur gerade zur rechten Zeit ins Blickfeld.  Tobias Lange wird ab 2020 die Leitung des Chores übernehmen und mit ihm  die gottesdienstlichen wie auch konzertanten Auftritte vorbereiten und  bestreiten. Die offizielle Übergabe der Chorleitung soll im Osterfestgottesdienst am 12. April 2020 um 10.30 Uhr  in der Oelsnitzer Kirche erfolgen.

Am Kirchenvorstand liegt es nun,  die Finanzierung der Chorarbeit  in Oelsnitz  sicher zu stellen, damit der Erhalt und die Fortführung dieses wichtigen Teiles der Gemeindearbeit gewährleistet wird.

Das  ehrenamtliche Engagement der Chormitglieder kann man nicht hoch genug achten. Neben dem zeitlichen Einsatz der Choristen, ist die kulturelle Ausstrahlung dieses Ensembles über die Grenzen der Kirchgemeinde hinaus nicht zu unterschätzen. Ich hoffe sehr, daß der Chor noch lange Zeit in der Oelsnitzer Kirche und darüber hinaus, fröhlich und zur Ehre Gottes singt und viele Menschen anspricht mit zu tun oder ihm  zu zuhören.

KMD i.R. Joachim Jänke