Ev.-Luth. KIrchgemeinde Gröditz-Frauenhain
Home > Neue Aufgaben für Pfarrer Christian Thiele

Neue Aufgaben für Pfarrer Christian Thiele

Liebe Gemeindeglieder, insbesondere der Kirchgemeinde Gröditz-Frauenhain,

seit Mitte dieses Jahres ist in unserer Ev.-Luth. Landeskirche aufgrund der angespannten finanziellen Situation der ursprüngliche Stellenplan außer Kraft gesetzt. Freiwerdende Pfarrstellen werden in nächster Zeit nur noch unter strengen Voraussetzungen wiederbesetzt; hinzu kommt der spürbare Mangel an theologischen Nachwuchskräften. Dies betrifft auch unseren Kirchenbezirk Meißen-Großenhain.

Wir dürfen sehr dankbar sein, dass wir im August Pfarrerin und Pfarrer Jäger begrüßen konnten, die langfristig ihren Dienst im Großenhainer Land und in Gröditz-Frauenhain übernommen haben. Damit ist in unserer Region derzeit nur eine Stelle unbesetzt. An anderen Orten unseres Kirchenbezirks ist die Lage jedoch um ein Vielfaches schwieriger, und die Not durch unbesetzte Pfarrstellen ist dort noch deutlich größer.

Wie manche von Ihnen bereits wissen, werde ich im April 2028 63 Jahre alt und danach in den genehmigten (Vor-)Ruhestand gehen. Bis dahin ist zwar noch etwas Zeit, doch bringt dies in den kommenden Monaten – bis zum Frühjahr 2027 – bereits den Umzug in eine Ruhestandswohnung nach Meißen mit sich, die ich ein Jahr früher beziehen darf. Die Dienstwohnung im Pfarrhaus Gröditz wird dann leider unbewohnt sein. Gemeinsam mit dem Kirchenvorstand habe ich in den letzten Monaten intensiv darüber beraten, wie wir uns gut auf diese Situation vorbereiten können. Nicht an allen Stellen ist uns das leichtgefallen, denn wir alle möchten das Bewährte verständlicherweise gern festhalten.

Aufgrund der großen Personalnot an anderen Orten hat mich der Superintendent gebeten, in meinem letzten Dienstjahr bis März 2028 für Dienste außerhalb unserer Schwesterkirchgemeinden dort einzuspringen, wo es kaum noch aktive Pfarrer gibt. Das bedeutet eine vorübergehende Abordnung durch das Landeskirchenamt ab 01. November 2026 Jahres auf die Stelle des Pfarramtsleiters im Kirchspiel Radeburg bis zum eintritt in den Ruhestand

Über diese Anfrage habe ich lange und schwer nachgedacht. Ich bin immer fest davon ausgegangen, meinen Weg als Pfarrer gemeinsam mit Ihnen bis zum Ruhestand hier vor Ort zu gehen und das Gemeindeleben mitzugestalten. „Unsere“ Gemeinde liegt mir zutiefst am Herzen. Seit Oktober 2009, als ich meinen Dienst in Gröditz, Nauwalde und Frauenhain begann, sind nunmehr siebzehn Jahre vergangen.

Zu meinen ersten Erfahrungen gehört eine kleine Begebenheit: Ich kam damals aus einer sehr ländlichen Gegend, in der man jeden grüßte. Als ich mein Auto hinter dem Pfarrhaus parkte und mich dem Nachbarn der umliegenden Garagen als neuer Pfarrer vorstellen wollte, zog dieser ein verwundertes Gesicht und sagte nur trocken: „Ach so?“

Doch hinter diesem ersten Erstaunen erwarteten mich in der Gemeinde viele liebe Menschen. Menschen, mit denen ich mich über unseren Glauben, unsere Hoffnungen und Zweifel austauschen durfte, mit denen ich Gottesdienste gefeiert und gebetet habe. Uns verbindet ein enges Band. Im Römerbrief (12,5) heißt es: „So sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied.“  In den vergangenen Jahren sind wir durch Gemeindefusionen und neue Strukturen enger zusammengewachsen, und ich durfte zuletzt die Pfarramtsleitung übernehmen. Wir haben unzählige gute Erfahrungen geteilt und auch schwierige Zeiten miteinander durchgestanden. Als Christen gehen wir gemeinsam einem Ziel entgegen, wie es im Hebräerbrief (13,14) steht: „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Zu diesem gemeinsamen Weg gehört für mich auch, die Mitgeschwister in den Nachbargemeinden nicht aus den Augen zu verlieren. Als Pfarrer bin ich von der Kirche für die Menschen insgesamt beauftragt. Die Argumente des Superintendenten sind für mich schlüssig, weshalb ich der Abordnung zugestimmt habe – auch wenn mir dieser Schritt persönlich überhaupt nicht leichtfällt.

Für unsere Gemeinden bedeutet dies leider eine spürbare Lücke und Mehrbelastung für die verbleibenden Pfarrer, was mich traurig macht. Dennoch ist Kirche mehr als nur der Blick auf den eigenen Kirchturm; sie fordert uns heraus, dorthin zu sehen, wo die Not gerade am größten ist.

Gleichzeitig bietet dieser frühere Übergang der Gemeinde die Chance, in der neuen Legislaturperiode des Kirchenvorstands verlässlich in den Strukturen zusammenzuarbeiten, die ohnehin mit meinem Ruhestand greifen würden. Ab Dezember wird Pfarrer Dr. Thomas Jäger der feste Ansprechpartner für den Seelsorgebezirk Gröditz-Frauenhain sein und für mich im Kirchenvorstand mitarbeiten.

Auch wenn sich meine formale rechtliche Zuständigkeit ändert, bin ich nicht aus der Welt. Ich werde in den kommenden Monaten weiterhin in unseren Orten anzutreffen sein und freue mich darauf, auch künftig den einen oder anderen Gottesdienst als Pfarrer mit Ihnen zu feiern.

Ihr Pfarrer Christian Thiele